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Vom 5. Mai bis 16. September 2018 werden in der Altstadt beeindruckende Bauten zeitgenössischer Künstler und Architekten zu sehen sein. Sie sind Antworten auf die Folgen der heutigen flüssigen Gesellschaft.

Die Welt verändert sich schnell. Etablierte Gedanken und Lebensformen geraten unter Druck. Was wird die Zukunft bringen?

Die Triennale Brügge hat Künstler und Architekten aus aller Welt eingeladen, hierüber nachzudenken. Viele suchten für ihre Arbeit Inspiration im Wasser, das die Stadt buchstäblich fließend durchkreuzt und umgibt. Das Wasser, dem Brügge einst seinen Weltruhm verdankte, wird zu einer Metapher für die Liquid City. In der Innenstadt sind fünfzehn Kunstwerke, Installationen und Treffpunkte zu sehen. Sie laden zu einem Parcours ein, der Menschen an überraschenden Orten zusammenbringt. Denn genau das ist eines der Ziele der Triennale Brügge 2018: Begegnungen generieren, Menschen dazu anzuregen, die Kunstwerke nicht nur zu besichtigen, sondern auch zu erleben und zu einem Teil des kreativen Prozesses zu werden.

“The modern era was a journey towards perfection. For the same reasons, the modern era was also an era of destruction.” Zygmunt Bauman

Das Konzept

Triennale Brügge 2018: Liquid City | Flüchtige Stadt

Die Triennale Brügge 2018: Liquid City | Flüchtige Stadt greift das Thema der Triennale Brügge von 2015 auf, in der es um die Stadt als Megalopolis ging. Diesmal wird das Thema erweitert: wie flexibel und flüchtig, wie wehrhaft kann eine historische Stadt wie Brügge in einer Epoche sein, in der es keine Sicherheiten mehr gibt? Die Welt verändert sich schnell. Etablierte Gedanken und Lebensformen geraten unter Druck. Was wird die Zukunft bringen?

Kuratoren Till-Holger Borchert und Michel Dewilde

Die Vorstellung von einer flüchtigen Stadt

Die Erinnerung kann uns in die Irre führen. Oft ist es unmöglich zu begreifen, wo unsere individuellen Erinnerungen enden und das kollektive Gedächtnis beginnt. Das Ich, das Unterbewusste und der Zeitgeist: sie alle formen in unserem Gehirn eine Ménage à trois, während unsere von Ängsten geprägte Gegenwart uns wehmütig danach zurücksehnen lassen, ‚wie es früher war’. Niemand Geringeres als Zygmunt Bauman, der einsame Prophet der Dauerkrise des Westens, widmete diesem Phänomen sein letztes Buch „Retrotopia“. Der Bedenker des Konzepts der ‚flüchtigen Moderne’ veröffentliche es ein Jahr vor seinem Tod im Januar 2017. In Retrotopia lädt Bauman den Leser dazu ein, die der Flüchtigkeit unseres Zusammenlebens zugrundeliegenden Phänomene zu hinterfragen, die in schroffem Kontrast zu jenem institutionellen Rahmen stehen, der für die Generation unserer (Groß)Eltern einstmals ein sicheres und voraussehbares Umfeld formte. Nacheinander haben inzwischen Instanzen wie Staat, Kirche, Politiker, Versicherungsgesellschaften und Banken das Vertrauen der Öffentlichkeit verloren. Der Vertrauensverlust macht unsere Gesellschaft besonders anfällig für Populisten. Dabei unterscheiden sich die ‚guten alten Zeiten‘ de facto kaum von unserer Gegenwart oder dem Goldenen Zeitalter Brügges im Spätmittelalter. Schon damals war Brügge als die flüchtige/flüssige Stadt Nordeuropas bekannt: sozial uneinheitlich wie wenig andere Metropolen der Zeit, mit einem vom Meer abhängigen Wohlstand, mit wirtschaftlicher Prosperität, die durch die Gezeiten und den Geldhunger der herrschenden Klasse angetrieben wurde. Die kurz aufeinanderfolgenden Tode von Philipp dem Guten (1467), Karl dem Kühnen (1477) und Maria von Burgund (1482) beendeten den burgundischen Traum gleich mehrfach und brachten sogar eines der mächtigsten Bankhäuser, die Florentiner Medici-Bank zu Fall. An was erinnert sich unserer kollektives Gedächtnis? An das künstlerische Vermächtnis, an jenes Fundament frühneuzeitlicher Kunst, das von den Flämischen Primitiven gelegt wurde und das Brügge als internationales Kunstzentrum auf der Karte markierte. Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren werden erneut Künstler und Architekten nach Brügge eingeladen, mit der Stadt in Dialog zu treten und den Begriffen Gastfreundschaft, Zusammenarbeit und Kreativität Form zu geben. Die öffentlichen Installationen und Kunstwerke fungieren als Sicherheitsnetz wider Unsicherheiten und eine unvorhersehbare Zukunft: als Heimathafen in flüchtigen Zeiten. Wenn die flüchtige Vergangenheit eine fließende Gegenwart voraussagt, dann kann das, was Jan van Eyck und Hans Memling erreichten, auch heutigen Künstlern gelingen, zum Wohle aller, die in unserer Stadt leben oder Brügge besuchen.